Skitour von Walchen 1.410 m.ü.d.M – Eiskarspitze 2.611 m.ü.d.M – Torspitze 2.663 m.ü.d.M. – bis nach Tux Vorderlanersbach 1.257 m.ü.d.M

Ehrlich gesagt, stolz bin ich auf die heutige Tour nicht, aber wir haben sie durchgestanden, und ich möchte mich das eine oder andere mal daran erinnern. Darum blogge ich sie für mich, und natürlich auch für euch, wiederholen werde ich sie nicht!Aber gut, gestartet ist der Bergsportverein Höhenmeter mit sechs Mitgliedern beim Lager Walchen um ca. 07:40 Uhr. Wir trennten uns bald in zwei Gruppen mit „Treffpunkt Torspitze“ auf. Der Wald ist herrlich verschneit mit schlechter Sicht, was uns heute schlussendlich zum Verhängnis wird!

Beim Kraftwerk visieren wir die Holzhütte (Militärwachposten) an und gehen in Richtung Zirmachalm…Wir sind motiviert und überlegen noch die heutige Tourenwahl. Entweder Torspitze – Mölser Berg oder Eiskarspitze – kurze Abfahrt Richtung Tux – Aufstieg und Torspitze.Unten beim Lizumbach sehen wir die bessere Hälfte unseres Vereins, Sabsl, Holzi und Gully auf dem Weg zur Lizumer Hütte. Hier kannst du ihre Geschichte lesen

Durch den dichten, tief verschneiten Wald gehen wir recht zügig im Zick Zack hoch bis zur „In der Lacken“. Phil und Phurba spuren zu meinem Glück, denn die ersparte Kraft werde ich heute noch sehr gut brauchen können ;°)Ca. 2 Std. 40 Min. später erreichen wir das Torjoch. Die Sicht ist gleich Null, Phil schlug vor besser um zu kehren solange es noch möglich ist.Aber die Nähe zum Gipfel der Eiskarspitze war wohl zu verlockend, und Phil scheinbar nicht eindringlich genug. Also ziehen wir am Steinmandl vorbei und holen uns, wofür wir hergekommen sind. Leider mussten wir 5 Minuten vor dem Gipfelkreuz umkehren, denn der viele frische Schnee im steilen Gipfelhang wurde uns zu gefährlich. Die zwei kleinen Punkte (wir) kämpfen gerade mit den Tatsachen.Die Sicht wird immer schlechter, es schneit bereits seit Stunden. Wir stapfen zurück zum Skidepot und überlegen wie wir weiter machen sollen. Wir entscheiden uns für die Torspitze, denn die Abfahrt zur Lizumer Hütte ist halbwegs sicher. Im Blindflug fahren wir in´s Nichts. Whiteout sieht so aus!!! Wir verlieren total die Orientierung und sind von der Technik, sprich Navi abhängig.Es hilft ungemein die Orientierung zu erhalten wenn man die Felsen anvisiert. Der viele Schnee macht uns Sorge, auch jetzt sind Felsen ein guter Partner. Es ist sicherer die Felsen entlang zu stapfen als blind über Hänge auf zu steigen, die man nicht einschätzen kann.Geschafft. Es gab Momente wo ich nicht mehr daran glaubte die Torspitze (zwischen Phurba und Phil) zu erreichen, aber noch waren wir nicht save.

Über die Eiskarspitze brauchten wir ca. 4 Stunden bis zur Torspitze, bei geschätzten 1.350 Hm im Aufstieg. Die Abfahrt wurde so richtig übel. Null Sicht und unter dem fluffigen Pulver waren Felsen ohne Ende, der Belag wurde regelrecht geschliffen. Bei jedem Schwung liefen wir Gefahr zwischen den Steinen stecken zu bleiben. Material war unsere kleinste Sorge, es ging einfach nur mehr um unsere Sicherheit.

Doch irgenwann kam sie dann, die – Silent Pulver Abfahrt im Blindflug Die Felsen waren wieder mit reichlich Schnee eingedeckt, der Pulver viel und fluffig. Leider übersahen wir bei diesem Spaß unsere eigene Aufstiegsspur und merken nicht, dass diese Pulverabfahrt ins…Zillertal führt. Das Ziel „Lizumer Hütte“ war uns nicht vergönnt, irgendwie gesund in das Tal zu kommen wurde nun zur Hauptaufgabe.so geil dieser Pulver auch zu fahren ist… wenn du nicht weist wo du herauskommst hält sich der Genuss in Grenzen! Und da war sie, die heiß ersehnte Zivilisation. Die Vallruckalm auf 2.132 m.ü.d.M ….Phil bleibt tapfer und quält das streikende Navi regelmäßig aber erfolglos um herauszufinden, ob wir links der rechts abzweigen müssen. Phurba kann schon wieder durch atmen da wir nicht wissen, was noch so auf uns zukommt.Wir finden den Almweg 47 nicht, da er vollkommen zugeschneit und höher als angenommen verläuft. Wir folgen dem Zaun und stehen regelmäßig vor einem Abgrund. Es dürfte LWS III haben, steile Hänge meiden wir die ganze Tour so gut als möglich.Es nützt aber nichts, abwärts zum Bachbett erscheint Phurba als bestes Übel (auf der Karte steile Schwünge). Ein wahrer Segen dass er ein grandioser Skifahrer ist! Er zeigte auf was machbar ist in schwerem Gelände, wir nehmen dankbar an und folgen ihm vertrauensvoll ins Nirgendwo. Ober uns ein steiler, schneebedeckter Hang der vielleicht nicht hält, und unterhalb ein Bach der bedrohlich kalt rauscht. Ein Zurück ist unmöglich, doch der Moment wo wir nur mehr nach vorne blickten, und keine Angst mehr verspürten, kam heute schon wesentlich früher!Wir fellen auf, ziehen den Bach entlang, die Sicht wird besser und wir erblicken mit großer Freude Hütten. Erleichterung kommt auf.Die Hobalm auf 1.800 m.ü.d.M. Jetzt ist es geschafft. In dieser Höhe dürfte die Lawinen Situation nicht mehr so bedrohlich, und Wege halbwegs sichtbar und befahrbar sein.Und so ist es auch, am Bergrücken erkennen wir den Rastkogel Skilift im Tuxer Tal. Wir telefonieren mit Holzi und Gully, die dankenswerter Weise bereits auf dem Weg ins Zillertal sind, um uns abzuholen.Heute war uns das Schicksal gnädig! Der Schnee verzieh uns jeden Fehler und der Berg gab uns unverletzt aus seiner Haft frei. Echt gute Freunde habe ich, die behalten in brenzligen Situationen die Nerven und machen aus einem Übel ein Abenteuer, was für ein Glück!Ab der Waldhütte wurde unsere heutige Skitour noch zur „Hybridtour“, denn es ging ab auf die Piste.Natürlich wussten wir noch nicht, dass wir hier in eine Sackgasse fahren, aber was soll´s? Ich hab nicht mitgezählt wie oft wir heute schon auf Fellen mussten, ein weiters Mal war uns hier in diesem Ambiente aber so was von Egal. Auch dass wir noch mal ca. 150 Hm aufsteigen mussten um endlich am Ziel zu sein war eine kleine Bürde zum heutigen Abenteuer.Entspannt geht es abwärts nach Tux-Vorderlanersbach wo Holzi und Gully auf uns warten. Die heutige Tour war über 20 Km lang, dauerte fast 8 Stunden und wir machten ca. 1.600 Hm im Aufstieg.

Was ich heute lernen durfte?

 

  1. Höre auf deinen Verstand, und wenn der nicht anspringt dann unbedingt auf Holzi oder Phil!
  2. Wenn Phurba sagt das geht dann vertraue ihm, denn er ist der beste Bergsteiger/Skifahrer von uns und bringt dich an deine Grenzen wo und wann es nötig ist, und hat dabei selbst noch viel Luft nach oben.
  3. Ignoriere auf keinen Fall mehr offensichtliche Wettereinflüsse, und lade dir Alpenverein Aktiv auf das Handy!
  4. Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter, denn du weist nicht wann es so weit ist.
  5. Dankbarkeit und und bedingungslose Liebe, immer und überall!
  6. Ach ja, und natürlich dass wir beim nächsten Mal die Rote Wand gehen wenn die Sicht schlecht ist ;°)

 

 

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